FSJ/Praktika & Co.

Umfrage: Warum sich Jugendliche freiwillig engagieren

23.02.2011

Berlin. Die Umfrage der Kampagne „Geben gibt“ aus dem Herbst 2010 präsentiert eine gute Nachricht: Mehr als zwei Drittel der freiwillig engagierten Jugendlichen (68 Prozent) sind mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden und wollen sich auch weiterhin engagieren (72 Prozent).

Deutlich wurde der Wunsch nach qualifizierten Weiterbildungsangeboten, mehr Flexibilität bei der Zeiteinteilung sowie einer besseren Vereinbarkeit von Engagement mit Schule bzw. Studium.

Anlässlich des Schwerpunktthemas 2010 „Jugendengagement“ hatte sich die Kampagne „Geben gibt.“ besonders den unter 27-Jährigen zugewendet. So wurde eine der sechs Auszeichnungen des Deutschen Engagementpreises für das vorbildliche Engagement von Jugendlichen vergeben. Denn: Mehr als ein Drittel der Jugendlichen bringt sich bereits aktiv in die Zivilgesellschaft ein. Sie absolvieren Freiwilligendienste, übernehmen Aufgaben und Ämter in Vereinen, Schulen und Hochschulen, engagieren sich in freien Initiativen und Gruppen.

Studien, wie der Freiwilligen-Survey des Bundesfamilienministeriums, beweisen, dass vor allem diejenigen dem Engagementthema ein Leben lang verpflichtet bleiben, die hiermit früh und positiv besetzt in Kontakt kommen. Daher ist diese Zielgruppe gesellschaftspolitisch besonders wichtig.
 
Freiwilligendienste liegen im Trend

Dagegen bildet das Engagement in Parteien das Schlusslicht. 42 Prozent der teilnehmenden Jugendlichen absolvieren zum Zeitpunkt der Befragung ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Fast ebenso viele sind in Vereinen aktiv (41 Prozent). An Schulen und Universitäten engagieren sich 30 Prozent der Befragten, in Kirchen 18 Prozent. Nur 6 Prozent der Befragten engagieren sich in politischen Parteien.
 
Zufriedenheit ist groß - doch nicht genügend Anerkennung

Die meisten Befragten machen positive Erfahrungen im Rahmen ihrer freiwilligen Tätigkeit: 68 Prozent sind sehr zufrieden, 72 Prozent wollen sich beispielsweise nach ihrem FSJ weiterhin engagieren und 94 Prozent empfehlen auch anderen, sich zu engagieren.

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der befragten Jugendlichen jedoch gaben an, nur teilweise Anerkennung für ihre Tätigkeit zu bekommen. 8 Prozent erfahren keine Anerkennung, obwohl es für eine große Mehrheit (84 Prozent) sehr wichtig ist. Den persönlichen Mehrwert von Engagement fördert die Umfrage deutlich zutage: 90 Prozent der Jugendlichen schätzen die Selbsterfahrung bei ihrer freiwilligen Tätigkeit, 81 Prozent den Kontakt zu netten Menschen, 79 Prozent den Kompetenz- und Wissenserwerb und 84 Prozent haben einfach Spaß an dem, was sie tun.

Mangelnde Zeit und Weiterbildungsmöglichkeiten

Obwohl die freiwillige Tätigkeit insgesamt sehr positiv bewertet wird, werden Probleme benannt und Wünsche geäußert: 78 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Weiterbildungsangebote. 59 Prozent haben zumindest teilweise Schwierigkeiten, ihr freiwilliges Engagement mit ihrer Haupttätigkeit (Schule, Ausbildung, Studium) zu vereinbaren. Mehr Flexibilität bei der Zeiteinteilung wünschen sich 63 Prozent der Befragten. 60 Prozent bemängeln, dass sie nicht oder nur teilweise in Entscheidungen der Organisation einbezogen werden, in der sie sich engagieren. Ebenso viele möchten in ihrer Tätigkeit selbstständiger entscheiden dürfen.
 
Motivation der Freiweilligen

70 Prozent der Befragten geben an, eigene Erlebnisse hätten sie zum Engagement motiviert. 39 Prozent nennen Familie und 45 Prozent Freunde als Beweggründe. Die Umfrage insgesamt macht die hohe Motivation der Engagierten deutlich. Junge Menschen wollen sich einbringen und Gesellschaft mitgestalten.

Um das zu unterstützen, sollten daher - trotz der steigenden Leistungsanforderungen an junge Menschen - Freiräume und gute Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement an Schulen und Universitäten geschaffen werden. Bereits engagierten Jugendlichen sollte die nötige Anerkennung entgegengebracht und angemessene Entfaltungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten werden.

Die Kampagne „Geben gibt.“


Die Kampagne „Geben gibt.“ hatte sich während ihrer zweijährigen Kampagnenlaufzeit zum Ziel gesetzt, freiwilliges Engagement in Deutschland nachhaltig zu stärken. Initiatoren der Kampagne sind die großen gemeinnützigen Dachverbände sowie bundesweite Netzwerke und Initiativen, die sich zum „Bündnis für Engagement“ zusammengeschlossen haben. Hauptförderer sind der Zukunftsfonds der Generali Deutschland Holding AG und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
 
Die Kampagne „Geben gibt.“ möchte Menschen, Initiativen, Organisationen und Unternehmen für freiwilliges Engagement begeistern und zu einem aktiven Einsatz für das Gemeinwohl motivieren. Die im Rahmen der Kampagne initiierte jährliche Auszeichnung „Deutscher Engagementpreis“ stärkt die Anerkennungskultur für freiwilliges Engagement in all seinen Facetten.

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