Beruf, Ausbildung, Studium

Zehn Banken-Vorurteilen auf der Spur
So tickt die Bank
Brav gescheitelt, adrett gekleidet und mit maßgeschneidertem Lächeln auf den Lippen. Das ist das Bild des typischen Bankers – oder zumindest das, was viele von ihm haben! Wie die Bankenwelt wirklich tickt und an welchen Vorurteilen etwas dran ist? Investmentbanker Marcel (27) spricht hier Klartext ...
Banker = Anzugpflicht?
Jein! Wer im Kundenkontakt steht, muss jeden Tag mit einem gepflegten Äußeren vor den Kunden treten. Sprich:in Anzug + Krawatte. In Abteilungen, die keinen direkten Kundenkontakt haben, darf man sich am Freitag aber oft auch lockerer anziehen. Jeans und Hemd zum Beispiel.
Schwindelerregend steile Karriereleiter!
Eigentlich gilt hier das Gleiche wie in allen Branchen: Wer du dich engagierst und kommunikativ bist, kannst du es zu viel bringen – insbesondere wenn dein Chef dich unterstützt! Garantien gibt es aber keine!
Dicke Gehälter, Riesenboni am Jahresende und ein Porsche in der Garage ...
Prima, hätte ich alles gern! Die Wahrheit sieht leider ein wenig anders aus. Sicher verdient man in der Branche nicht schlecht. Die Einstiegsgehälter sind super, die Aufstiegschancen bei genügend Engagement auch nicht schlecht. Dafür arbeiten wir im Investmentbanking aber auch viel, haben weniger Freizeit. So voll, wie alle glauben, sind unsere Taschen aber leider nicht.
Diskret, elegant gekleidet, festgezimmertes Lächeln. Reicht das schon?
Wer in einer Bank oder Sparkasse arbeiten möchte, sollte über mehr Fähigkeiten verfügen als die, seinen Gegenüber zu blenden. Die Assessment-Center und selbst die Praktikumsbewerbungen in unserer Branche sind nicht ohne. Nur wer wirklich viel Erfahrung, Interesse und Engagement an der Sache mitbringt, wird genommen. Und: Nicht nur Zahlen sollten einem liegen, auch Kommunikationsfähigkeit ist extrem wichtig.
Geld verwalten, Geld anlegen? War’s das schon?
Die gesamte Bankenbranche hat noch viele andere Gesichter. Klar gehört das Kundengeschäft dazu, aber die Kunden sind vielfältig. Jeder hat andere Wünsche. Der eine leitet eine Firma, die er verkaufen will. Der andere hat ein großes Vermögen, das er sicher investieren möchte. Kaum ein Banker-Job gleicht dem anderen, daher sind regelmäßige Abteilungswechsel am Anfang einer Karriere zu empfehlen.
Tag und Nacht im Job!
Jein! Die Arbeitszeiten variieren in der Bankenbranche sehr stark! Wer als Bankkaufmann/-frau in der klassischen Filiale arbeitet, hat sicher geregeltere Arbeitszeiten als wir im Investmentbanking. Im Normalfall arbeite ich von 9 bis 21 Uhr.
Es gibt aber auch Wochen, in denen ich bis 1 im Büro sitze und in denen ich auch am Wochenende ranmuss! Dank meiner Bankausbildung konnte ich bereits frühzeitig positive und negative Seiten diverser Abteilungen kennenlernen und kann nach nunmehr 7 Jahren im Banking sagen: Solange du Spaß an deiner Arbeit hast und um dich rum ein super Team ist, stören die langen Arbeitstage im Investmentbanking auch nicht.
Vitamin B ist alles!
Jein – hat man erstmal den Einstieg geschafft, dann zählen vor allem dein internes Netzwerk sowie dein persönliches Engagement. Aber dennoch gilt: Vitamin B hilft gerade am Anfang, beim Einstieg nach dem Studium und dann später in der Karriere bei einem potentiellen Arbeitgeberwechsel. Gerade hier sind Empfehlungen Gold wert!
Absolut krisensicherer Job!
Diese Zeiten sind vor allem im Investmentbanking vorbei. Daher gilt stets die Devise: Schaffe dir ein Netzwerk auch außerhalb deiner Organisation und bilde dich auch auf anderen Gebieten fort! Nur so bleibst du für deinen Arbeitgeber oder andere Branchen attraktiv.
Und noch ein Tipp: Gib dein schwer verdientes Geld nicht gleich am Anfang für unnötigen Luxus aus, sondern investiere clever. So kannst du schwierige Zeiten auch mal locker überbrücken.
Siezen ist Pflicht!
Das glaubst DU doch selbst nicht! Im Investmentbanking gibt es das Sie in der Regel nur noch gegenüber den Kunden. Im Privatkundengeschäft und insbesondere bei gehobenen Privatbanken existieren aber noch grundsolide Knigge-Umgangsformen.
Sparkasse, Privatbank, Landesbank – ist doch alles das gleiche!
Nein! Jede Bank hat ihren eigenen Charakter und das beziehe ich insbesondere auf die Menschen die dort arbeiten. Daher ist die Gewichtung der Komponenten: Kunden, Teamwork, Karriere, Geld und Gier bei allen drei unterschiedlich stark ausgeprägt und prägt damit auch gleichzeitig deren Mitarbeiter.




