Beruf

Von der Kunst, eine erfolgreiche Künstlerin zu sein

Yvonne van Acht

26.10.2011 Von: Lisa Landwehrjohann

Bereits mit elf Jahren wusste Yvonne von Acht, dass sie später Künstlerin werden will. Heute malt sie nicht nur, sondern schreibt auch Romane. Wie sie das unter einen Hut bekommt, was den Beruf des Künstlers ausmacht und welche Themen sie persönlich inspirieren? DerAbiturient.de hat nachgefragt!

Dein Talent wurde früh erkannt. Hast du trotzdem Abi gemacht?
Ja, hab ich. Schule war neben der Malerei immer sehr interessant für mich. Ich finde es sehr wichtig, dass man sich bildet und weiß, was in der Welt los ist. Mann muss immer neugierige bleiben und sich spannende Themen erarbeitet.

Wolltest du mal einen Beruf jenseits der Kunst ausüben?
Es gab mal eine Zeit, in der wollte ich Philosophie studieren. Philosophie war neben Deutsch mein Lieblingsfach in der Schule. Aber ich wusste, dass ich mich für eine Sache entscheiden muss und die Kunst war schon immer stärker in mir verankert.

Hast du Künstler in der Familie?

Nein, in dem Sinne nicht. Zwar viele Kunstinteressierte und Kunstbegabte, aber niemanden, der das konkret beruflich verfolgt.

Wie standen deine Eltern zu deiner Berufswahl?

Obwohl die Kunst eine schwierige Branche ist, haben sie mich dazu ermutigt. Sie sahen, dass ich damit sehr glücklich bin und sagten: „Hab den Mut und geh den Weg.“ Das fand ich toll.

Du hast eine Studienreise nach Lateinamerika gemacht ...

Ja, genau. Ich hab damals gesagt: Ich ziehe aus, um mein Säckchen zu füllen. In den fast drei Jahre hab ich einen ganz anderen Blick auf meine Herkunft, auf Europa, auf Deutschland erhalten. Man könnte sagen, dass ich durch meine Reise in die Ferne näher zu mir und zu meiner Heimat gefunden habe. Hat man die Möglichkeit wenn man aus der Schule kommt, dann ist das der perfekte Zeitpunkt für solch ein Abenteuer und absolut empfehlenswert.

Um den Künstlerberuf ranken sich viele Klischees.
Das ist wahr. Alle Klischees sind schöne Geschichten, die nichts mit der Realität zutun haben. Diese „La Bohème“-Art, nach dem Motto: „Ich lebe in den Tag hinein“ und male hier ein bisschen und dort ein bisschen sind falsch. Es ist ein sehr harter Beruf.

Was muss man dafür mitbringen?
Neben Talent erfordert der Beruf sehr viel Disziplin und Ehrgeiz. Man braucht einen langen Atem und viel Geduld. Die Brötchen backen sich klein, man ist nicht von jetzt auf gleich erfolgreich. Misserfolge und Zweifel drohen immer wieder. Man sollte für viele Dinge offen sein und den nötigen Willen mitbringen. Es gibt eine innere Motivation die auf jeden Fall vorhanden sein muss.

Innere Motivation, was meinst du damit genau?

Dass einem die Malerei ein persönliches Anliegen sein muss. Man malt ja nicht einfach nur so aus dem Bauch heraus. Wenn ich sage: „Ach, jetzt ist mir gerade nach Malen.“, dann ist das ein Hobby und kein künstlerischer Beruf. Die innere Motivation ist diese Notwendigkeit, die einem sagt: „Das ist mir wichtig, das bedeutet mir etwas.“ und aus dieser Motivation heraus möchte ich etwas erarbeiten. Nur so wird es authentisch.

Was motiviert und inspiriert dich?
Mich interessiert aktuell sehr das Thema Helden und Heldenmythos. Das innere Wachsen, das innere Werden, wie Entwicklungen und Prozesse in einem Menschen verlaufen und zu einer Erkenntnis bringen. Es gibt tolle Beispiele in der Mythologie, Dinge die schon von Menschen im Laufe der Jahrhunderte erarbeitet worden sind. Diesen Dingen bin ich auf der Spur.

Hast du so etwas wie "Kreative Phasen"?
Nein und das darf man auch nicht haben, so darf man nicht denken. Es gibt keine kreativen Phasen. Entweder ist man es oder man ist es nicht. Es gibt natürlich Phasen, in denen man mehr geistig unterwegs ist. Da beschäftige ich mich auch mal eine Woche nur damit, mir Gedanken zu einem Thema zu machen und zu zeichnen. Zeichnungen sind für mich Gedankennotizen die ich in einem Skizzenbuch sammle. Alles entsteht aus der Zeichnung. Der malerische Akt ist dann wieder etwas ganz anderes. Das ist die Übertragung der Idee.

Wenn es keine kreativen Phasen gibt, kann man Kreativität als rastlosen Dauerzustand beschreiben?
Ja, man sollte kein Künstler werden, wenn man nicht wirklich den Willen hat, beständig, Tag und Nacht an seinen Werken zu arbeiten. Nicht im Sinne des Inhaltes, sondern im Sinne, dass man einen Weg verfolgt. Man arbeitet sich beständig von Thema zu Thema. Und man ist nie fertig. Das muss man auch wissen. Zu den einzelnen Themen wird man wieder durch irgendetwas inspiriert und schon geht es in eine andere Richtung weiter. Und das geht wohl so lange, bis man die Augen zu macht.

Kann dich bei der Arbeit gar nichts stoppen?
In der Malerei ist es so, dass Bilder aufgrund ihres Materials eine Grenze vorgeben. Wenn ein Ölbild so nass ist, dass man im Moment nichts mehr machen kann, dann ist das eben so. Dann geht man zum nächsten über. Ich arbeite zyklisch, das bedeutet, es gibt immer drei, vier Bilder im Prozess. So kann ich gleichzeitig an verschiedenen Themen eines Gesamtthemas arbeiten.

Trifft es dich, wenn jemand deine Werke kritisiert?
Nein, so etwas darf man nicht persönlich nehmen. Menschen haben eben nicht alle den gleichen Geschmack.

Ab wann ist ein Werk erfolgreich?
Schafft es ein Bild, dass jemand zumindest ein paar Sekunden davor stehen zu bleibt, um sich auf den Inhalt einzulassen, ist das schon ein Erfolg. Ganz wunderbar wird es, wenn sich jemand so für meine Arbeit interessiert, dass Dialoge entstehen. Man nimmt das Bild zum Anstoß, um über ein Thema zu sprechen. Meistens entfernt man sich dabei vom Werk und begibt sich auf einen Diskussionsweg. Das ist sehr spannend.

Yvonne van Acht, "Zeitgeist der Philosophen", 180 x 170 cm, Öl auf Leinwand, 2008

 

Wie kam es dazu, dass dein Werke „Zeitgeist der Philosophen“ auf dem Brockhaus zu sehen ist?
Mein Werk „ Zeitgeist der Philosophen“ wurde für eine Ausgabe des Künstler Brockhaus empfohlen. Es passt so gut zu einem Buch, das Wissen vermittelt. Es zeigt die beiden Philosophen Aristoteles und Platon, die sich praktisch auf diesen Bandrollen über den Himmel bewegen. Auf den Pusteblumen stehen die Namen aller kommenden Philosophen. Die beiden Figuren bewegen sich vorwärts und mit jedem Anstupsen fliegen die Schirmchen durch die Luft.

Was soll das bedeuten?

Dass wir nicht nur alleine Dinge erfinden, sondern was wir entdecken, erdenken oder erfinden baut immer auf etwas auf, was schon da ist oder war. Das ist diese Art von Kettenreaktion, Bestehendes fortzuführen. Das Leben hat ja nur eine gewisse Spanne, und dann kommen neue Menschen und führen etwas fort. In diesem Fall Wissen.

Neben der bildenden Kunst hast du jetzt auch ein Buch geschrieben ...
Ja, genau. Anfang letzten Jahres war das wie eine Initialzündung. Ich hab schon immer viel geschrieben, für mich, im kleinen Stil. Aber ich hatte plötzlich eine ganz klare Geschichte in meinem Kopf. Ähnlich wie, wenn ich ein Bild machen will. Dann hab ich mich einfach mal dran gesetzt und zu meiner großen Überraschung ist es eine sehr ausführliche Sache geworden.

Kannst du schon etwas über den Inhalt verraten?

Es ist nichts anderes als das, womit ich mich schon die ganze Zeit beschäftige. Es geht um den Prozess des inneren Werdens und des inneren Wachsens. Man begeleitet einen 16-jährigen Jungen bis er 27 wird auf seinen Reisen und Abenteuern. Es gibt Aufgaben, die erfüllt werden müssen, orientiert an die Heldenreise. Es ist eine Mischung aus Realität und der „Anderswelt“, eine geistige Welt. Und das ist wiederum gekoppelt an eine Liebes- und Familiengeschichte.

Yvonne van Acht, „Bilderfischen“ aus "Die Reise des Helden", Hommage und Reflektion, auf Buchseiten von C.G. Jungs Biografie „Erinnerungen, Träume und Gedanken“, von Aniela Jaffe, 2008, Aquarell, Tusche, Bleistift auf Papier

 

Gibt es auch schon Bilder zum Buch?
Ja, ich möchte die Geschichte auch Malerisch erarbeiten. Nicht illustrieren, eher so, wie meine Serie „Die Reise des Helden, eine Hommage an C.G. Jung.“ Da hab ich auf den Buchseiten seiner Biografie Zeichnungen gemacht. Es wird ein Extraprojekt. Ich möchte dafür mein Originalmanuskript nutzen, bevor es zum Lektor geht und mit Aquarell bemalen.

Zu beginn sagtest du, dass man sich auf eine Sache konzentrieren sollte, um sie richtig gut zu machen ...
Das stimmt. Man kann nicht Musik machen, ein Buch schreiben und Malen gehen und dann noch ein paar tolle Taschen nähen. Dasd geht nicht, dann macht man alles nur halb. Besser ist es, sich auf eine Sache zu konzentrieren, sie durchzuziehen, durchzusetzen, dafür zu kämpfen und dann schauen, wie kann ich die anderen Dinge nach und nach integrieren.

Was würdest du einem „werdenden Künstler“ raten?

Der Kunstmarkt ist nicht ohne. Es ist empfehlenswert genau zu informieren. Beispielsweise in einer Galerie ein Praktikum machen, um zu sehen wie der Markt funktioniert. Außerdem unterschätzen viele den Beruf.

Inwiefern?

Man muss als Künstler genauso arbeiten, wie in anderen Jobs auch, wenn nicht noch mehr. Man erarbeitet sich die Themen, die Projekte, die Ausstellungen und man will, dass das gut wird. Das erfordert den ganzen Menschen, körperlich und geistig. Diese Arbeit geht bis in die tiefste Seele hinein. Rund um die Uhr. Man muss bereit sein, mit Haut und Haar und ganzem Herzen der Berufung nachzugehen. Wer nur den kreativen Spaß sieht, kommt in diesem Beruf nicht sehr weit.

 

 

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