Studium, Leben, Auf eigenen Füßen

Katharinas Tagebuch – Teil 2

Déjà-vu? Oder: Mein zweiter Anlauf

26.02.2016

Es ist so weit: Nach Wochen harter Vorbereitung in der Turnhalle und im Schwimmbad tritt Katharina (18) erneut zum Aufnahmetest an der Deutschen Sporthochschule an. Ob ihr großer Traum dieses Mal in Erfüllung geht? Das und noch viel mehr erfahrt ihr im zweiten Teil unserer Serie „Katharinas Tagebuch“.

7 Uhr morgens im Foyer der Deutschen Sporthochschule: Das „Déjà-vu-Gefühl“ breitet sich langsam in meinem Kopf aus und ich erinnert mich schmerzhaft an den letzten Sporttest. Ruhig bleiben: Heute wird alles besser!

Nach der Anmeldung gibt es von den AStA-Helferinnen noch eine Motivations-La-Ola-Welle – dann wird es ernst: Gemeinsam mit dem Rest der Gruppe 5 laufe ich im Gänsemarsch in die Schwimmhalle – Prüfungsstation Nummer 1.

Nachdem sich alle – noch halb verschlafen – aus den Winterklamotten geschält haben und in die Badeklamotten geschlüpft sind, versammeln wir Prüflinge uns alle an den Startblöcken. Insgeheim bete ich, dass ich nicht schon wieder mit genau dieser Disziplin, dem Sprungbrett, anfangen muss. Und – tatsächlich – mein Stoßgebet wird erhört: Ich darf mit dem Streckentauchen beginnen, das ich, genauso wie die Technik, ohne Mängel absolviere. Durchatmen!

Mein Equipment für den großen Tag!

Ruhe bewahren

Trotzdem komme ich um das verhasste 1-Meter-Brett natürlich nicht herum. Als erste meiner Teilgruppe versuche ich mich am Kopfsprung, der zunächst völlig in die Hose geht. – Puh, zum Glück war das nur der Probesprung! Beim nächsten Sprung vor den kritischen Blicken des Prüfers gilt es allerdings die Nerven zu bewahren. Beim Auftauchen aus dem Wasser höre ich dann: „Der Anlauf war zu kurz und du bist übergeschlagen!“ Mist, der nächste Versuch muss sitzen. UNBEDINGT! Ich laufe an, springe vorsichtig ab, um ein erneutes Überschlagen auf den gefährlich weichen Brettern zu vermeiden und lande mit dem Kopf voran im Wasser. Meiner Meinung nach, eine gar nicht so schlechte Leistung für einen „Höhenangsthasen“ wie mich. Das Urteil des Prüfers lautet trotzdem: „Defizit!“ – Ich bin nicht kraftvoll genug vom Brett abgesprungen. Der Tag fängt so an, wie schon bei der letzten Eignungsprüfung: Mein Joker ist schon am Anfang des Tages futsch …

Ich versuche mich von der schlechten Nachricht nicht beirren zu lassen und hole mir zur Motivation vor dem Zeitschwimmen noch ein „High-Five“ durch die Fensterscheibe von meiner Mutter ab. Die fiebert trotz der kalten Temperaturen mit. Das Schwimmen ist gemeistert. Durchatmen!

In der kurzen Pause kriecht dann aber doch langsam die Angst vor dem zweiten Defizit in mir hoch. Zum Glück ahne ich da noch nicht, dass mir dieses Gefühl an diesem Tag noch eine riesige Blockade bereiten wird. Doch dazu später … Von der Spoho-Mensa geht es schließlich in das LAZ zum Leichtathletik. Beim Sprint und Kugelstoßen weiß ich, dass ich auf der sicheren Seite bin, da ich diese Disziplinen bereits auf Wettkämpfen erprobt habe. Jedes Mal höre ich von dem Prüfer ein anerkennendes: „Bestanden!“

Jetzt geht es um alles!

Beim Hochsprung steigt mir die Nervosität allerdings wieder zu Kopfe. Ich muss die ganze Zeit an den Übetag denken, an dem ich dieselbe Hochsprung-Latte bereits einige Male gerissen habe. Dazu kommt das Defizit, das mir immer noch im Nacken sitzt. Nach einem zögerlichen Anlauf verpatze ich tatsächlich den ersten Sprung. Frustriert muss ich daran denken, wie leicht ich diese Übung im Training sogar mit einem Schersprung meisterte (bei dem es obendrein viel schwerer ist, eine gute Höhe zu springen). Nach aufmunternden Worten der Helfer nehme ich meinen nächsten Anlauf. Doch wieder lautet das Urteil: „Nicht bestanden!“ Ihr ahnt es bereits: Auch der dritte und letzte Anlauf geht daneben – es ist das erneute Aus im Sporteignungstest  …

Zuerst kann ich es einfach nicht fassen: Ich hätte nie, nie, nie gedacht, dass der Hochsprung nach einem so straffen Trainingsprogramm der Grund für mein Nichtbestehen sein würde. Nicht er! Niemals! Doch komischerweise spüre ich zu meiner eigenen Überraschung schon bald eine Form von Erleichterung in mir aufsteigen: Vor einer solchen Prüfung steht man enorm unter Druck, denn es hängt schließlich auch ein großes Stück der eigenen Zukunft daran. Ich schätze viele von euch, die ebenfalls einen Eignungstest in ihrem Fachgebiet ablegen müssen – sei es Kunst, Medizin oder gar für eine Ausbildung – kämpfen bereits mit ähnlichen Gefühlen. Plötzlich fällt all dieser Druck wie ein Sack Steine von mir …

Plan B tritt in Kraft

Was mir in dieser bitteren Stunde, auf die ich so lange hingearbeitet habe, außerdem echt Hoffnung macht, ist mein letztes Praktikum: Der Gedanke, mein Studium doch mehr in Richtung Medien auszulegen, ist in den letzten Wochen und Monaten still und heimlich immer größer geworden. Die Arbeit im Gebiet Corporate Publishing macht mir unglaublich viel Spaß und ich kann mir mittlerweile gut vorstellen, hier später einmal Karriere zu machen. Das Sportjournalismus-Studium war zwar mein großer Traum – doch es ist, das haben mir die letzten Monate gezeigt, immer gut einen Plan B in petto zu haben, der einem mindestens genauso viel Spaß macht. Gut, dass ich den nie aus den Augen verloren habe! Wie sagt man so schön? „Viele Wege führen zum Ziel!“ Trotz alledem bin ich mir sicher: Ich verliere den Sport nicht aus den Augen. Er ist und bleibt mein größtes und liebstes Hobby.

Wie geht’s weiter?

Ehe ich im Wintersemester nun also auf der Hörsaal-Bank Platz nehmen werde, habe ich beschlossen, mir noch einen kleinen Umweg über einen anderen Kontinent zu genehmigen. Zum Zeitpunkt des nächsten Berichts werde ich bereits viele tausend Kilometer entfernt in einer brasilianischen Kleinstadt westlich von Recife leben und dort in einem sozialen Projekt als Volunteer helfen. Ein neues Abenteuer mit neuen Herausforderungen – genau das richtige nach den vielen Wochen in der Turnhalle und im Schwimmbad.

Da der Prüfungsstress mittlerweile verflogen ist, nutze ich im Moment jede freie Minute, um mein Portugiesisch aufzupolieren, Mückenspray und andere nützliche Dinge zu kaufen, Sommersachen zu shoppen (im deutschen Winter gar nicht sooo leicht ;)) und natürlich auch meine Abschiedsparty zu planen. Die Spannung steigt!

Im nächsten Bericht heißt es dann also „Oi gente!“ (Hallo Leute!) bei (hoffentlich!) 35°C und Sonnenschein. Ich freue mich schon riesig darauf – und natürlich darauf, meine Erfahrungen mit allen von euch zu teilen, die es nach dem Abi auch in die große weite Welt zieht.

Bis bald, eure Katharina!

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