Studium, Beruf, Ausbildung

Raphael (23) studiert an der Universität Witten/Herdecke Politik, Philosophie und Ökonomik

Drei auf einen Streich

09.11.2011

Nur Wirtschaftswissenschaft, nur Philosophie oder nur Politik zu studieren? Raphael (23) war das nicht genug. Nach seinem Abitur entschied sich der Stuttgarter 2010 stattdessen für den frisch eingeführten Studiengang Politik, Philosophie und Ökonomik, kurz: PPE, an der Universität Witten/Herdecke. Was ihn an seinem Fach so fasziniert und warum ein Politiker oder Unternehmer auch Philosophie studiert haben sollte, hat er uns im Interview erzählt.

Politik, Philosophie und Ökonomik als Fächerkombi. Raphael, war dir ein Studiengang einfach nicht genug?
(lacht) Ich sehe es ehrlich gesagt gar nicht so, dass ich drei Bereiche studiere. Ich studiere einen Studiengang, der mich zu gesellschaftlicher Verantwortung befähigen soll und dazu, neue Gedanken zu denken. Ich glaube, dass ein Grundverständnis der beiden gesellschaftlichen Bereiche extrem wichtig ist, um zu sehen, wie Philosophie Impulse für Wirtschaft und Politik geben kann. Die Kombination Politik, Philosophie und Ökonomik fand ich darum extrem spannend.

Hand aufs Herz: Für welches Fach der Kombi schlägt dein Herz denn am meisten?
Das kann ich so gar nicht sagen. Es ist ja gerade die Kombination, die den Charme ausmacht. Ein BWL-Studium oder nur Politik-Studium wäre mir einfach nicht genug gewesen.

Warum?
Weil ich damit zu wenig wissen würde, um gut Gesellschaft gestalten zu können. Deswegen, weil ich mich mit einem Ökonomiestudium zu sehr beschränken würde und die Politik vergessen würde, die einen mindestens genauso großen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben hat. Darum brauche ich mehr als nur ein einziges Fach.

Wie bist du damals auf den Studiengang aufmerksam geworden?
Ich war 2008 auf der Summer School und habe damals die Uni vor Ort kennengelernt, die mich direkt total fasziniert hat. Erst hatte ich vor parallel die beiden Studiengänge „Business Economics“ und „Philosophie und Kulturreflexion“ zu studieren. Dann habe ich mir aber überlegt, dass zwei Studiengänge vielleicht etwas viel auf ein Mal sind. Als ich dann letztes Jahr hingegangen bin, wurde „PPE“ als Studiengang erstmals angeboten. Für mich war sofort klar, dass das der Studiengang ist, den ich studieren wollte.

Warum ist es in Zeiten wie unseren wichtig, Philosophie mitzustudieren?
Die Philosophie ist enorm wichtig, um zu lernen, Gedankenfiguren zu denken. Natürlich brauchen wir Fachwissen. Wir brauchen heute aber auch die Möglichkeit, neue Gedanken und neue Ideen zu entwickeln. Und dafür muss man fähig sein, denken zu können und genau das lehrt mich die Philosophie.

Aber Angst, dass du Kernwissen aus einem der drei Fächer verpasst, hast du nicht? Immerhin studierst du in drei Jahren Inhalte aus drei unterschiedlichen Bereichen.
Diese Angst habe ich weniger, da ich durch Initiativen und Engagements auch viel an Praxiserfahrung sammeln und dadurch etwas länger studieren werde. So kann ich mir Wissen nebenbei aneignen. Die Frage ist auch, ob wir mit exzessivem Fachwissen weiterkommen oder eher mit weniger, dafür aber qualitativ hochwertigem Wissen.

Auf wie viele Semesterwochenstunden kommst du ungefähr?
Es ist so, dass ich teilweise sehr viel für meine Sachen machen muss. Auch bis in den Abend. Aber in Stunden kann ich das gar nicht so ausdrücken. Das ist schwierig. Ich kann mir meinen Stundenplan ja frei gestalten. Es hängt von mir ab, wie viel ich machen möchte. Auch davon wie viele Stunden ich nebenbei noch für studentische Initiativen brauche. Es ist aber auf jeden Fall ein Full-Time-Job.

Bleibt dir da überhaupt noch Zeit für Hobbys und Freizeit?
Auf jeden Fall! Wobei ich sagen muss, dass ich im Moment in einer Lebensphase bin, in der ich sehr gerne viel arbeiten möchte. Aber selbstverständlich bleibt Zeit für Hobbys, freie Wochenenden und Reisen.

Habt ihr im Semester eigentlich immer Kurse aus allen drei Teilbereichen gleichzeitig oder gibt es auch Semester, in denen ihr ausschließlich Seminare aus einem Bereich habt?
Gerade am Anfang werden alle Fächer gleichzeitig unterrichtet. Jetzt, im 3. Semester, werden bei uns manche Bereiche auch in Kompetenzmodulen zusammengelegt.

Wie schwierig ist es, ständig zwischen so verschiedenen Studiengängen zu switchen?
Das ist absolut machbar.

Welche Interessen sollte ein Abiturient mitbringen, der deinen Studiengang studieren möchte?
Auf jeden Fall sollte man ein Interesse daran haben, Gesellschaft zu gestalten. Ein Interesse daran, zu denken. Und ein Interesse daran, aktiv zu werden. Damit ist man bei uns genau richtig.

Reicht das bloße Interesse oder sollte ein Bewerber Praxiserfahrung mitbringen?
Es ist schwer angeraten, Praxiserfahrung mitzubringen. Die meisten, die bei uns anfangen, haben schon Praktika im Vorfeld gemacht.

Und zwar wo?
Im eigenen Interessensgebiet. Wenn du Wirtschaftler bist, und Interesse daran hast, Politik mitzuverstehen, um Wirtschaft gestalten zu können, dann machst du es am besten irgendwo im wirtschaftlichen Bereich. Richtig oder falsch gibt es hier eigentlich nicht!

Wer in der Politikberatung war hat sicher genauso gute Chancen wie jemand, der z.B. an einer Philosophie-Publikation mitgearbeitet hat. Es kann auch ein  Auslandsaufenthalt oder ein ganz einfacher Job gewesen sein der dir gezeigt hat dass, und wieso du PPE in Witten studieren willst. Darum geht es dabei nämlich: Im „echten Leben“ erlebt zu haben und davon berichten zu können, wieso man nach Witten möchte.

Wie viel direkten Kontakt habt ihr als Studenten im Studiengang zu Wirtschaft und Politik?
Viel. Es gibt immer wieder Wochenend- und Blockveranstaltungen, sowie Einzelveranstaltungen mit Menschen aus der Praxis: erfolgreiche Unternehmer, politisch und gesellschaftlich engagierte Menschen, die sich zur Diskussion stellen. Das Angebot ist auf jeden Fall sehr attraktiv.

Was hast du an deinem Studiengang persönlich am meisten zu schätzen gelernt?
Meine Kommilitonen und die Freiheit, die mir der Studiengang ermöglicht. Mir stehen jetzt einfach viele Wege offen. Das ist gut so!

Wo könntest du dir vorstellen, später einmal zu arbeiten? Oder anders gefragt: Hast du schon einen Traumjob vor Augen?
Ehrlich gesagt, schlägt mein Herz für vieles: Ich könnte genauso gut im politischen wie im unternehmerischen Bereich einsteigen. Auch Journalismus finde ich sehr spannend. Ich werde das, wenn es soweit ist, mit dem Bauch entscheiden. Auf jeden Fall möchte ich Verantwortung übernehmen. Das ist mir klar.

Interesse geweckt? Noch mehr Infos zum PPE-Studiengang findet ihr selbstverständlich auch auf der Homepage der Uni Witten-Herdecke.

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