Studium, Auf eigenen Füßen

Studieren in den Niederlanden
International Business in Maastricht
Auf und davon: 2009 hat sich Alexander Laker (Bild) entschieden, Deutschland den Rücken zu kehren und ins benachbarte Holland zu gehen. Dort studiert der 22-Jährige aus Bonn drei Jahre lang in Maastricht den englischsprachigen Bachelor-Studiengang "International Business" – und dabei ist Einiges ganz anders als bei seinen Freunden, die auf deutsche Hochschulen gegangen sind.
Was hat dich persönlich gereizt, International Business in den Niederlanden zu studieren?
Ich fand die Möglichkeit toll, im Ausland auf Englisch studieren zu können. Außerdem war es mir wichtig, dass mein Studienort nicht zu weit von meiner Heimatstadt Bonn entfernt ist. Nach Köln und Aachen ist die Maastricht University ja dann fast schon die nächste Universität. Letztendlich haben mich dann aber der gute Ruf der Uni und der des Studiengang International Business dazu bewegt, nach Holland zu ziehen.
Ist dein Studium anders aufgebaut als ein Studiengang in Deutschland?
Ja, er ist ganz anders aufgebaut. Mein Studium ist im Jahr nicht in zwei Semester unterteilt, wie man es aus Deutschland kennt. Ich habe jedes Jahr vier Haupt – und zwei Zwischenblöcke. Ein Block dauert immer sieben Wochen. Danach kommt eine Examenswoche, in der ich Klausuren schreibe. Außerdem hat man in jedem Block nur zwei unterschiedliche Fächer.
Meistens hat man zwei Tutorien, in denen man in Kleingruppen von maximal 12 Leuten Problemfälle löst und eine Vorlesung in einer Woche pro Fach. Insgesamt ist das Studium hier in Holland auch viel stärker organisiert. Die ersten zwei Jahre sind zum Beispiel von den Kursen her festgelegt. Erst im dritten Jahr wählt man selbst ein Schwerpunktfach. Außerdem bekommen wir hier ganz genau gesagt, was wir wann für welches Fach vorbereiten müssen.
Muss man bestimmte Vorraussetzungen für das Studium mitbringen?
Ein bisschen Englisch muss man natürlich schon können, aber das lernt man hier in den ersten Monaten auch sehr schnell, weil ja alle Vorlesungen und die Tutorien ausschließlich in Englisch stattfinden.
Ich glaube, man braucht auch ziemlich viel Selbstdisziplin. Laut meines Stundenplans habe ich jede Woche meistens nur 10-14 Stunden. Aber die gleiche Zeit brauchte ich in etwa noch mal, um mich auf die Vorlesungen und die Tutorien vorzubereiten. Ich habe schnell gemerkt, dass man nebenbei viel tun muss, sonst fällt man sehr schnell zurück! Weil International Business BWL bedeutet, sollte man natürlich nicht allzu abgeneigt gegenüber Mathe sein.
Sind deine Studieninhalte dann vergleichbar mit denen eines BWL-Studenten?
Eigentlich habe ich fast die gleichen Fächer wie jemand der in Deutschland BWL studiert. Nur ich mache das Ganze auf Englisch. Ich habe Fächer wie Mathe, Marketing, Mikroökonomie, Finanzen, Buchhaltung, Personalmarketing und Informatik.
Was ist das Beste an deinem Studium?
Erstmal natürlich, dass ich auf Englisch studieren kann. Ich finde es aber auch super, dass es einen verpflichtenden Auslandsaufenthalt an einer internationalen Partnerhochschule im dritten Studienjahr gibt. Gerade muss ich mich entscheiden, wo es hingehen soll: Gerne würde ich Buenos Aires in Argentinien gehen, um mein Spanisch zu verbessern. Ich hoffe, dass das klappt!
Musstest du, um in Holland studieren zu können, ein Auswahlverfahren absolvieren?
In Holland läuft das etwas anders als in Deutschland. Es gibt keinen Numerus Clausus, aber eine feste Anzahl an Plätzen, nämlich 500. Die werden aber nicht nach Noten verteilt. Die Hälfte wird nach einem Motivationsschreiben zu geteilt und die andere Hälfte wird unter allen anderen Bewerbern ausgelost. Das bedeutet natürlich, dass hier erstmal jeder studieren kann, egal ob er gut oder schlecht in der Schule war. Von meinen Kommilitonen haben mehr als 30% nach dem ersten Jahr aufgehört, weil es zu anspruchsvoll war. Theoretisch hat aber jeder die Chance es in Holland zu versuchen.
Ist es nicht unglaublich teuer im Ausland zu studieren?
Es ist auch nicht viel teurer als in Deutschland. Für ein Jahr bezahlt man etwa 1600 Euro. Das tolle ist, wenn man zu den Besten 3% im Jahr gehört, bekommt man am Ende des Jahre sogar sein Geld zurück. Das motiviert und bei mir hat es sogar geklappt!
Wie finanzierst du dein Studium?
Bei meinem Studium unterstützen mich meine Eltern finanziell. Man kann aber auch vom deutschen Staat ein Auslandsbafög bekommen. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit, acht Stunden in der Woche in Holland zu arbeiten, dann würde mir auch niederländisches BaföG zustehen.
Was planst du für die Zukunft?
Mein Studium gibt mir die Möglichkeit, meinen Master an einer anderen englischsprachigen Uni zu machen. Das will ich auch jeden Fall machen. Vielleicht zieht es mich aber auch noch mal in den Spanischsprachigen Raum. Wenn es dann irgendwann soweit ist, würde ich auch gerne einen Job im Ausland finden.




