Studium, Ausbildung

Medizinstudium in Bonn
Wenig frei und viel Lernerei

Medizinstudium in Bonn

26.04.2011

Annalisa (22) studiert im vierten Semester Medizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Dabei wollte sie während ihrer Schulzeit nie Ärztin werden. Warum sie ihre Entscheidung geändert hat und wie es sich anfühlte, zum ersten Mal einen toten Menschen zu sehen, lest ihr hier.

Wolltest du schon immer Ärztin werden?

Ich wollte lustigerweise früher nie Ärztin werden, sondern habe mich in der Schule viel mehr für Mathe und Sprachen begeistert und wollte auch immer etwas mit Sprachen studieren. Die Entscheidung, ein Medizinstudium zu beginnen, ist erst nach dem Abi gefallen.

Hast du schon vorher mit kranken Menschen zu tun gehabt?

Nach dem Abitur war ich 8 Monate in Südamerika und habe mich dort einige Zeit in einem argentinischen Waisenhaus engagiert und anschließend ein Praktikum in einer Kinderklinik gemacht. Dort konnte ich viele spannende Eindrücke sammeln, durfte bei vielen interessanten OPs dabei sein, und auch sonst in mehrere Bereiche "hineinschnuppern". Ich konnte mit verschiedenen Ärzten mitgehen, die mich viel selbst haben machen lassen und mir auch einiges über ihren Job erzählt und mir viel erklärt haben.

Was hast du aus der Zeit in Buenos Aires mitgenommen?


Die Zeit in Südamerika hat mich insgesamt natürlich sehr geprägt. Für meinen zukünftigen Job nehme ich eine gute Portion Motivation mit und das Bewusstsein, dass in den Krankenhäusern in Deutschland schon ziemlich gute Bedingungen herrschen und man als Arzt viel erreichen kann. Für mein Studium habe ich glaube ich eine gewisse Gelassenheit mitgenommen.

Welche Stationen durchläufst du in deinem Studium?

Bis zum Physikum, also die ersten zwei Jahre, besteht das Medizinstudium zu großen Teilen aus den Naturwissenschaften wie Chemie, Physik, Biologie, Biochemie, Physiologie. Das ist nicht immer so interessant, wie man es sich wünschen würde und hat anfangs nicht sonderlich viel Praxisbezug – vor allem aber investiert man viel, viel Zeit ins Lernen. Daneben hat man als weiteres großes Fach der Vorklinik Anatomie, und Vorlesungen und Kurse in Psychologie/Soziologie und ein Wahlpflichtfach. Nach dem Physikum geht es dann irgendwann los mit den Fächern wie innere Medizin, Neurologie, Chirurgie etc.

Stichwort Physikum: Wie merkst du dir das alles? Hast du einen Tipp?


Das frage ich mich momentan auch noch, wie ich mir alles fürs Physikum merken soll! Aber im Grunde habe ich mich das vor jedem Semester aufs neue gefragt : "Wie sollst du das bloß alles schaffen?" - und dann klappt es doch immer irgendwie. Der beste Tipp ist wahrscheinlich, sich selbst nicht verrückt zu machen, man wächst schließlich mit seinen Aufgaben.

Was ist das Beste an deinem Studium?

Vielleicht, dass es bei den Medizinern nicht so einen großen Konkurrenzdruck gibt, wie bei anderen Studiengängen. Wir reißen z.B. keine Seiten aus Büchern in der Bibliothek heraus, damit Kommilitonen wertvolle Informationen bloß nicht in die Hände bekommen... Nein, im Ernst - der Umgang ist immer sehr entspannt.

Ist dir ein Ereignis im Studium besonders in Erinnerung geblieben?

Am beeindruckendsten war bis jetzt das erste Mal im Präparationssaal, auch wenn das zunächst nur im Rahmen eines Vorkurses zur Anatomie war.

Wie ging es dir bei dieser Erfahrung?

Ich war überrascht, wie „unecht" die Körper aussahen, die wir präparieren sollten, und im nächsten Moment wiederum geschockt, wie persönlich bestimmte Körperteile, wie z.B. die Hände sind. Im ersten Moment war das alles schon befremdlich, und trotzdem natürlich total interessant ...

Was rätst du künftigen Medizinstudenten?

Lasst Euch nicht von anderen Kommilitonen stressen oder verunsichern! Der hohe NC bringt es mit sich, dass es im Studienfach Medizin viele wahnsinnig fleißige und ehrgeizige Leute gibt. Klar muss man fleißig sein und einen gewissen Ehrgeiz besitzen, um das Studium zu meistern. Aber das ist auch ohne Panikmacherei absolut zu schaffen. Und ich finde es wichtig, auch mal abzuschalten und neben der ganzen Lernerei auch noch zu „leben"!

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