Studium, Auf eigenen Füßen

China studieren, Neues probieren
Sinologie in Münster
Nils Müther studiert im 11. Semester Sinologie an der Uni Münster. Was man eigentlich mit „Chinesisch” werden kann, verrät er im Interview.
Sinologie, was ist das eigentlich genau?
Sinologie ist eine Sprach- und Kulturwissenschaft und ist wohl am besten mit dem Begriff „Chinawissenschaft“ zu übersetzen. Inzwischen heißt der Bachelor-Studiengang an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster auch einfach „Chinastudien“.
Wie bist du darauf gekommen, Sinologie zu studieren?
Da ich mich generell sehr für Sprachen interessiere, mich das Studium der Anglistik oder Germanistik aber nicht wirklich gereizt hat, wollte ich mal etwas anderes probieren. Bereits nach kurzer Zeit war mein Interesse für die chinesische Sprache derart geweckt, dass ich mich vollends dazu entschieden habe, einen Abschluss in Sinologie zu machen.
Was wird man denn damit?
Anders, als es zum Beispiel bei einem ausstudierten Mediziner ist, hat man mit dem Studium der Sinologie nicht direkt einen Beruf. Ich bin dann eben Sinologe! Deshalb muss man sich schon ein wenig Gedanken machen, was aus einem denn so werden kann.
Naheliegend ist es natürlich Dolmetscher zu werden. Auch eine Stelle als Dozent an einer Universität oder auch als Lehrer an einer Schule wäre denkbar. Eine sicherlich interessante Möglichkeit ist es auch, Unternehmen aus Deutschland oder englischsprachigen Ländern zu beraten, die in China Fuß fassen möchten. Dabei geht es dann vor allem darum, die sprachlichen und auch kulturellen Hürden zu überwinden.
Und was willst du mit deinem Studium machen?
Ich bin mir noch nicht sicher. Ein Job in der Wirtschaft wäre vermutlich die lukrativste und auch interessanteste Option. Auch einen Job als Dozent könnte ich mir durchaus vorstellen.
Der chinesische Markt, ist der Markt der Zukunft. Wer die Sprache beherrscht und die Gepflogenheiten des Landes kennt, müsste doch eigentlich perfekte Jobaussichten haben, oder?
Zunächst einmal klingt es natürlich so. Der Haken bei der Sache ist allerdings, dass die Kenntnis über die Sprache und Kultur des Landes nicht alles ist. Gerade, wenn man daran denkt sich auch in wirtschaftlichen Bereichen herumzutreiben, ist es fast zwingend notwendig oder zumindest sehr sinnvoll, wenn man sich auch in eben diesen auskennt und zumindest über ein gewisses Grundwissen verfügt. Mir persönlich mangelt es leider etwas daran, weshalb ich versuchen werde, mich auf die sprachliche und kulturelle Komponente zu konzentrieren.
Was rätst du Abiturienten, die Sinologie studieren möchten?
Überlegt es euch gut. Wie gesagt, man hat mit einem abgeschlossenen Studium vorerst keine konkrete Berufsvorstellung. Bei einem zweifachen Bachelor-Studiengang könnte ich dementsprechend empfehlen, dass man als zweites Hauptfach beispielsweise noch ein wirtschaftliches Studienfach wie BWL wählt. Wer also gerne Sprachen lernt und eine ganz fremde Kultur kennen lernen will, ist bei einem Studium der Sinologie sicherlich sehr gut aufgehoben.
Du bist gerade zum Sprachstudium auf der Insel Taiwan? Was fasziniert dich an diesem Ort am meisten?
Neben der Sprache ist es vor allem die Andersartigkeit. Das Essen schmeckt anders, die Natur bietet Pflanzen und Tiere, die man in Deutschland nie zu Gesicht bekommt, das Klima ist völlig ungewohnt, und natürlich bin ich hier auch ein Ausländer und somit auf gewisse Weise anders als die meisten anderen Menschen hier. Es ist einfach, als würde man in eine andere Welt eintauchen.
Stimmt es denn wirklich, dass Chinesen Hunde auf der Speisekarte haben?
Das ist tatsächlich ein Gerücht. In den meisten Teilen Chinas sind Hunde ebenfalls nur als Haustiere, so auch auf Taiwan. Nichtsdestotrotz durfte ich bei der Nudelverkäuferin meines Vertrauens kürzlich auch „ein Stück Fleisch“ probieren, wovon sie mir aber erst anschließend erzählen wollte, was es war.
Ja, köstliches mariniertes Schweineohr, na vielen Dank! Nein, es war nicht lecker. Ich denke aber mal, dass ich noch relativ glimpflich davon gekommen bin. An den Straßenständen hier gibt es noch ganz andere Sachen, wie z. B. Quallen, Gänsehälse oder Suppen mit Entenblut. Es ist halt eine andere Kultur.
Wie sehen die Chinesen uns Deutsche?
Die Deutschen stehen in Taiwan hoch im Kurs. Wir gelten als ordentlich, fleißig und unsere Produkte stehen für Qualität und Reichtum. Die Straßen hier sind voll von deutschen Autos und die Leute schmücken sich damit, eben solche zu besitzen. Viele der Taiwanesen wollen Freundschaften mit einem schließen, bloß weil man aus dem Westen kommt.
So passiert es immer wieder, dass einen die Leute in der Uni, auf der Straße oder im Geschäft ansprechen und nach deiner Telefonnummer fragen oder sonst irgendwie mit dir Kontakt halten möchten. Dies kann nervig sein. In vielen Fällen ist es aber nett und man hat es ja in der Hand, wem man denn nun seine Nummer gibt.
Welche chinesischen Weisheiten nimmst du mit nach Deutschland?
„Fahre einfach über Rot, wenn es mindestens irgendeine Chance gibt zu überleben.“




