Studium

Das Leben hinter den Zahlen
Soziologie in Bielefeld
„Ich nehme Alltagssituationen häufig aus soziologischer Perspektive wahr“, sagt Jannik, 21. Er studiert im vierten Semester Soziologie und Romanische Kulturen an der Universität Bielefeld und plant, einen Teil seiner Studienzeit im Ausland zu verbringen.
Hast du dich nach dem Abi direkt ins Studentenleben gestürzt?
Nein, erstmal habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südamerika gemacht. Das stand für mich schon lange fest. Ich beschäftige mich viel mit der Geschichte und Politik südamerikanischer Länder und so habe ich mich beim Welthaus Bielefeld für das bundesweite Programm weltwärts beworben. Ich verbrachte dann eine sehr schöne Zeit in Nicaragua und habe noch heute viel Kontakt zu meinen Freunden dort.
Wie bist Du auf die Fächerkombination Soziologie und Romanische Kulturen gekommen?
Dass ich Soziologie studieren möchte, war früh klar. Ich interessiere mich für gesellschaftliche Zusammenhänge und möchte verstehen, wie Gesellschaften strukturell aufgebaut sind, wie sie funktionieren.
Das Nebenfach Romanische Kulturen bot sich an, als ich aus Nicaragua wieder zurückgekehrt war und merkte, dass ich den indirekten Kontakt zur hispanischen Kultur aufrechterhalten möchte. Und natürlich mag ich es, weiterhin Spanisch sprechen zu können.
Wie lebst Du? In einer WG oder in einem Wohnheim?
Zu Beginn des Studiums habe ich eine WG gegründet. Viele meiner Kommilitonen waren ebenfalls in Südamerika. So fand ich meine Mitbewohner, alle weltwärts-Teilnehmer. Die WG ist Anlaufstelle für fernwehgeplagte Freunde oder für Erasmus-Studenten aus Spanien.
Sie freuen sich oft über die Gelegenheit, hier in Deutschland ihre Sprache sprechen zu können. Wir kochen dann landestypisch und schauen spanische oder lateinamerikanische Filme.
Gibt es in dem Studiengang Romanische Kulturen Kooperationen mit Partneruniversitäten im Ausland? Und falls ja, möchtest Du sie nutzen?
In Lateinamerika, genauer in Ecuador und Mexiko, gibt es über den DAAD Verbindungen zu einzelnen Universitäten. Gerade bewerbe ich mich beim DAAD für ein Stipendium im mexikanischen Guadalajara.
Durch Erasmus ergeben sich natürlich auch viele Möglichkeiten. Falls es mit Mexiko nicht klappt, werde ich dank Erasmus in Madrid studieren.
Bestehen neben der Uni Möglichkeiten, Deine Studieninhalte anzuwenden?
Ja, auf jeden Fall. Ich merke, dass ich viele Alltagssituationen durch eine soziologische Perspektive wahrnehme. Das geschieht oft ganz automatisch. Dass ich zum Beispiel im Fahrstuhl oder in der Bahn das Verhalten von Personen soziologisch analysiere. Die Mikrosoziologie betrachtet die Interaktion von Individuen in Gruppen und verschafft mir in ganz gewöhnlichen Situationen des täglichen Lebens häufig interessante Einblicke.
Was sind Deine beruflichen Ziele?
Es gibt ja kein typisches Berufsfeld für Soziologen. Ich kann mir aber gut vorstellen, im Ausland für eine Nichtregierungsorganisation zu arbeiten. Oder meinen Studentenjob im Welthaus Bielefeld auszubauen und weiterhin Projekte in Südamerika zu betreuen. Der Gedanke an einen Schreibtischjob in einem Wirtschaftsunternehmen gefällt mir nicht so gut.
Bist Du an einem Masterstudium interessiert? Hast Du schon ein Fach im Blick?
Ja, ich würde gern den Master machen. Es gibt viele soziologische Bereiche, die ich näher kennen lernen möchte, zum Beispiel Transnationalisierungsprozesse, Entwicklungssoziologie oder Organisationssoziologie.
Die Uni Bielefeld bietet zwar ein sehr gutes Angebot an soziologischen Masterstudiengängen, ich würde aber lieber Stadt und Hochschule wechseln und etwas Neues kennen lernen. Ich freue mich auch schon auf Auslandsaufenthalte, die sich im Master möglicherweise ergeben.




